Mobilfunkstrahlung wirkt auf Mäusehyppocampus

Eine längere Exposition von elektromagnetischer Strahlung aus Mobiltelefonen verursacht erhebliche Änderungen der Bax/Bcl2-mRNA-Expression im Mäusehippocampus. Diese gerät aus Gleichgewicht.

Ziel der Studien

Eine Reihe von Experimente wurde mit dem Ziel durchgeführt, die Wirkung der Strahlung aus Mobiltelefonen auf den Hippocampus von Kleinnagern – in diesem Fall Mäusen – nach verschiedenen Einwirkzeiten zu messen. Die Untersuchungen fokussierten auf die beiden apoptotischen Gene Bcl2 und Bax. Diese beiden Gene steuern die Apoptose, also den programmierten Zelltod. Eine Apoptose wird pathologisch oder physiologisch ausgelöst, so bei überalterten, entarteten oder beschädigten Zellen. Zur Bcl-Protein-Familie gehören mindestens 15 Proteine. Sie hat bei der Apoptoseregulation eine Schlüsselrolle inne. Die einzelnen Proteine – darunter das untersuchte Bcl2 und das Bax – regulieren entweder in Richtung der Apoptose (Bcl2) oder wirken ihr entgegen (Bax). Diese Regulation nennen Zellforscher pro- oder antiapoptotisch. Sie bewirkt, dass die Zelle stirbt oder überlebt. Für diesen regulatorischen Vorgang ist das Verhältnis von pro- zu antiapoptotischen Proteinen entscheidend, zu denen Bcl2 und Bax gehören. Im gesunden Organismus ist die Relation von Bcl2 und Bax ausgewogen, sodass normalerweise kranke, überalterte oder beschädigte Zellen planmäßig sterben, während gesunde und noch leistungsfähige Zellen überleben. Wenn eine äußere Einwirkung dieses Gleichgewicht verschiebt, stört dies den Prozess der natürlichen Apoptose. Eine solche äußere Einwirkung ist elektromagnetische Strahlung aus Mobiltelefonen, zu deren Effekt auf die Apoptose es aber bislang widersprüchliche Aussagen gab. Die Forschergruppe untersuchte diesen Effekt speziell im Hippocampus der Mäuse mit molekularen Experimenten, welche die Bcl2- und Bax-Dichte maßen.

Studiendesign und Durchführung

Für die Experimente wurden 48 männliche BALB/c-Mäuse im Alter von sieben bis acht Wochen in sechs Gruppen zu je acht Tieren eingeteilt (1a, 1b, 1c, 1d, 2, 3). Sie wurden mit einem 2-Watt-Mobilfunk-Jammer bestrahlt, der 900 und 1.800 MHz leistet und mit vier Antennen ausgerüstet ist, deren Reichweite bei je zwei Metern liegt. In dieser Reichweite standen die Tierkäfige. Die Bestrahlungszeiten wurden wie folgt angesetzt:

Gruppe 1

zweimal täglich nach stets 12 Stunden
Dauer: 0,5 h (1a) / 1,0 h (1b) / 2,0 (1c) / 4,0 h (1d)
30 Tage hintereinander
Gruppe 2

einmal täglich
Dauer: 4,0 h
30 Tage hintereinander
Gruppe 3

keine Bestrahlung

Nach 30 Tagen entnahmen die Forscher den Tieren die rechte Hippocampusseite. Dort maßen sie die Dichte und Menge der Bcl2- und Bax-Proteine.

Ergebnisse

Das proapoptotische Bax wurde in allen Gruppen in ähnlicher Menge und Konzentration gemessen, allerdings gab einen kleinen Anstieg bei der Gruppe 1c mit der 2-Stunden-Bestrahlung. Das antiapoptotische Bcl2 wurde in der Gruppe 1d in kleinster Konzentration gefunden. Die Expression der beiden Gene zusammen stieg mit der Bestrahlungszeit. Die Relation von Bcl2- und Bax-Expression war nach zweimal vier Stunden am höchsten. Statistische Signifikanzen zeigten sich bei folgenden Relationen:

2 x 4 h : 2 x 0,5 h
2 x 4 h : 2 x 2 h
2 x 4 h : 1 x 4 h

Nach vier Stunden waren die beiden Gene abhängig von der Bestrahlungsdauer herunterreguliert. Das was am deutlichsten bei zweimaliger Bestrahlung pro Tag festzustellen.

Schlussfolgerungen

Die veränderte Genexpression zwischen Bax und Bcl2 beweist, dass Mobilfunkstrahlung den Mäusehippocampus beeinflusst. Es verschieben sich die Zellprozesse, sodass entweder das Risiko einer unbeabsichtigten oder einer verspäteten Apoptose besteht. Letzterer Fall birgt das Risiko für eine Tumorentwicklung, während die erstgenannte Variante (vorzeitiger Zelltod) den Hippocampus beschädigt und damit das Lernen und das Gedächtnis beschädigt. Da Mäusegehirne strukturell den Menschengehirnen ähnlich sind, darf aus den Ergebnissen auf die Schädlichkeit von Mobilfunkstrahlung auf Menschen geschlossen werden.
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